Rechtsformen – Freie Berufe

Der Begriff Freier Beruf ist kein eindeutiger Rechtsbegriff, und es gibt auch keine verbindlichen Regeln zur Abgrenzung des Begriffes. Eine Definition findet sich einzig im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz (PartGG), § 1 Abs. 2: »Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikationen oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt
 
Der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) ergänzt diese Definition wie folgt: »Angehörige Freier Berufe erbringen […] geistig-ideelle Leistungen […]. Ihre Berufsausbildung unterliegt in der Regel spezifischen berufsrechtlichen Bindungen nach Maßgabe der staatlichen Gesetzgebung oder des von der jeweiligen Berufsvertretung autonom gesetzten Rechts, welches die Professionalität, Qualität und das zum Auftraggeber bestehende Vertrauensverhältnis gewährleistet und fortentwickeltDiese Definition orientiert sich an den Rahmenbedingungen der verkammerten Freien Berufe, wie etwa den des Architekten und Ingenieurs.
 
 
Steuerrechtliche Einstufung
 
Die steuerrechtliche Einstufung einer freiberuflichen Tätigkeit erfolgt nach § 18 Einkommensteuergesetz (EStG). Das EStG unterscheidet verschiedene freiberufliche Tätigkeitsgruppen:
  • Selbstständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeiten (Tätigkeitsberufe)
  • Selbstständige Tätigkeiten der im Gesetz aufgezählten so genannten Katalogberufe
  • Selbstständige Tätigkeiten der den Katalogberufen ähnlichen Berufe (Analogberufe)
Zu den Katalogberufen zählen: Heilberufe (z. B. Ärzte), Rechts-, Steuer- und wirtschaftsberatende Berufe, naturwissenschaftlich technische Berufe (z. B. Architekten, Ingenieure) und sprach- und informationsvermittelnde Berufe (z. B. Journalisten).
 
Die Rechtssprechung hat zu einer Einbeziehung zahlreicher Berufe in die Gruppe der den Katalogberufen ähnlichen Berufe geführt. Zu diesen zählen: Designer (künstlerische Tätigkeit), Fotodesigner (künstlerische Tätigkeit), Fotograf (künstlerische Tätigkeit), Grafiker (künstlerische Tätigkeit), Industriedesigner (sofern künstlerische Tätigkeit), Künstler (Tätigkeitsberuf), Kunsthandwerker (soweit er selbst entworfene Gegenstände herstellt), Layouter (wenn künstlerisch tätig), Maler oder Kunstmaler (künstlerische Tätigkeit), Modeschöpfer (künstlerische Tätigkeit, wenn als Künstler anerkannt), Raumgestalter (ähnlich dem Architekten, wenn Leistungen typisch vergleichbar), Textilentwerfer (künstlerische Tätigkeit) und Werbefotograf (bei Erreichen einer gewissen Gestaltungshöhe).
 
Die Aufzählung macht deutlich, dass Designer durch ihre künstlerische Tätigkeit den Freien Berufen zugeordnet werden. Das bedeutet auch, dass Industriedesigner bei nicht künstlerischer Tätigkeit Gewerbetreibende sind. Entsprechendes gilt auch für Webdesigner, wenn sie lediglich Programmierleistungen erbringen, und für Modedesigner mit einem eigenen Modelabel, wenn sie Kleidungsstücke herstellen (lassen) und verkaufen.
 
Im Falle des Zusammentreffens von freiberuflicher und gewerblicher Tätigkeiten müssen diese steuerlich getrennt behandelt werden. Dies ist auch dann zulässig, wenn in einem Beruf für beide Merkmale ein enger sachlicher und wirtschaftlicher Zusammenhang besteht, also eine so genannte gemischte Tätigkeit vorliegt. Sind dabei die beiden Tätigkeitsmerkmale miteinander verflochten und bedingen sie sich gegenseitig unlösbar, so wird der gesamte Betrieb als gewerblich angesehen – das Gewerbe infiziert also den gesamten Betrieb.
 
 
Zur Anerkennung als Freiberufler oder Künstler finden Sie mehr im unten genannten Buch.
 
 


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