Rechtsformen – Einzelunternehmen oder Gesellschaft

Wenn Sie eine Unternehmung allein gründen und entwickeln möchten, können Sie zwischen verschiedenen Formen wählen: Freiberufler, Kleingewerbetreibende oder Gewerbetreibende.
Als Einzelunternehmer_in benötigen Sie kein Mindestkapital. Eine Eintragung ins Handelsregister ist nur für den Einzelkaufmann (Gewerbetreibender) erforderlich. Sie haften unbeschränkt in jedem Fall mit Ihrem Geschäfts- und Privatvermögen. Die Geschäftsführung, das Kontrollrecht und die Gewinnbeteiligung liegen ausschließlich bei Ihnen.
Als Firmierung müssen Sie Ihren Vor- und Zunamen verwenden, als Freiberufler Ihre Berufsbezeichnung und als eingetragene Kauffrau oder eingetragener Kaufmann den Zusatz e. K. oder auch e. Kfr. und e. Kfm. Diesen Zusatz müssen Sie auf Ihren Geschäftspapieren aufführen und auch im Impressum Ihrer Website sowie in individuellen Geschäfts-E-Mails.
 
 
Einpersonengesellschaften
 
Alternativ können Sie als Einzelunternehmer_in auch eine Kapitalgesellschaft gründen: die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) – auch als so genannte Einpersonen-GmbHoder die Aktiengesellschaft (AG), meist als so genannte kleine AG. Beide Gesellschaftsformen sind automatisch gewerblich. Wenn Sie sich als Freiberufler_in für eine dieser Formen entscheiden, verlieren Sie für dieses Unternehmen automatisch Ihren freiberuflichen Status.
 
 
Mehrpersonengesellschaften
 
Entscheiden Sie sich für eine gemeinsame Gründung und Entwicklung mit einem oder mehreren Partnern, können Sie zwischen verschiedenen Formen der Personengesellschaften wählen: Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Partnerschaftsgesellschaft (PartG), Offene Handelsgesellschaft (OHG), Kommanditgesellschaft (KG), Stille Gesellschaft, Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV), Verein und Genossenschaft (eG). Auch die Wahl zwischen Kapitalgesellschaften ist möglich: Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), GmbH & Co. KG, Aktiengesellschaft (AG) und UK-Limited (Ltd.). Für freiberufliche und gewerbliche Tätigkeiten gibt es teilweise unterschiedliche Möglichkeiten der Gesellschafts-Rechtsform.
 
 
Freiberufliche Gesellschaftsformen
 
Für die freien Berufe stehen bei den Personengesellschaften nur bestimmte Gesellschaftsformen als Personengesellschaft zur Wahl: Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Partnerschaftsgesellschaft (PartG), Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV). Dagegen stehen ihnen alle Kapitalgesellschaften und sonstigen Rechtsformen als juristische Personen uneingeschränkt zur Verfügung: Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), Aktiengesellschaft (AG), UK-Limited (Ltd.), Verein (e. V.) und Genossenschaft (e. G.).
 
 
Gewerbliche Gesellschaftsformen
 
Im Bereich der gewerblichen Berufe stehen ebenfalls nur bestimmte Gesellschaftsformen als Personengesellschaft zur Wahl: Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), solange es sich um ein Kleingewerbe handelt), Offene Handelsgesellschaft (OHG), Kommanditgesellschaft (KG), Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV). Oder auch hier wieder sämtliche Formen der Kapitalgesellschaften: Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), Aktiengesellschaft (AG) und UK-Limited (Ltd.) und sonstige juristische Personen: Verein (e. V.) und Genossenschaft (eG).
 
 
Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft
 
Es folgen auf den nächsten Seiten einige typische Beispiele über Formen der Personen- und Kapitalgesellschaften:
  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
  • Partnerschaftsgesellschaft (PartG)
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • Unternehmergesellschaft (UG, haftungsbeschränkt) – die sogenannte Ein-Euro-GmbH
Die Relevanz für Sie als Designer_in ist sehr unterschiedlich. So gibt es einzelne Gesellschaftsformen, die für Sie besonders geeignet erscheinen, andere wiederum nicht. In der Praxis nimmt die Vielfalt der selbstständigen Tätigkeit als Designer zu, so dass je nach Konzept und Zielsetzung auch ungewöhnliche Formen in Frage kommen können. Unabhängig davon stoßen Sie bei Ihren Auftraggebern auf sehr unterschiedliche Rechtsformen. Daher finden Sie im unten genannten Buch, neben den hier genannten häufigsten Rechtsformen, auch seltener verwendete, wie die: Offene Handelsgesellschaft (OHG), Kommanditgesellschaft (KG), Stille Gesellschaft, Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV), der Verein, Genossenschaft (eG), UK-Limited (Ltd.), GmbH & Co. KG und Aktiengesellschaft (AG).
 
Ausführungen zu steuerlichen Aspekten sind bewusst ausgelassen worden. Die Wahl der Rechtsform sollte nicht primär unter steuerlichen Gesichtspunkten getroffen werden. Die steuerlichen Vor- und Nachteile müssen im Einzelfall geprüft werden.
 
 
Exkurs: Bürogemeinschaft
 
Eine Bürogemeinschaft ist keine Rechtsform, sondern eine Organisationsform. In der Praxis wird hier häufiger von einer Kosten-GbR gesprochen. Die Bürogemeinschaft dient der Einsparung von Kosten durch die gemeinsame Nutzung von Räumen, Einrichtungen und Equipment. Nach außen treten Sie als Mitglied einer Bürogemeinschaft unabhängig auf und wickeln Ihre Aufträge selbstständig ab. Um sich von einer GbR oder anderen Rechtsformen abzuheben, ist es wichtig, dass Sie keinen gemeinsamen Briefkopf verwenden – auch nicht mit dem Hinweis Bürogemeinschaft –, keine gemeinsamen Rechnungen ausstellen und keine gemeinsame Werbung oder Auftragsabwicklung betreiben.
 
 
Zu Gesellschafterstruktur und Gesellschafterfunktionen, Anmeldungen, Genehmigungen und Zulassungen sowie Rechtsform und KSK finden Sie ebenfalls mehr im unten genannten Buch. 
 
 


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