Designbusiness gründen und entwickeln

Schon im Vorwort der ersten und zweiten Auflage dieses Buches, 2008/2010, hatte ich es geschrieben: »Design ist zu einem echten Business, wenn nicht sogar zu einer Industrie geworden. Von den Ratschlägen, Methoden und Fakten, die Joachim Kobuss hier darlegt, profitieren wir alle. Denn Auftraggeber respektieren uns nur, wenn wir über das Geschäft so viel wissen wie über Gestaltung. Sonst bleiben wir Künstler, die man gerne um sich hat, aber nicht ernst nimmt.«

Dieses inzwischen vollständig überarbeitete und erweiterte Buch erscheint in einem etwas günstigeren Umfeld, denn in den letzten zehn Jahren sind wir Gestalter immer mehr von unserem Künstlerimage genesen und bei vielen Auftraggebern zu ernst genommenen Partnern geworden. Wir haben schon immer so gearbeitet: über eine Problemstellung nachdenken, diesen Denkprozess visualisieren, ihn damit für alle Beteiligten nachvollziehbar darstellen und dann Lösungen erarbeiten, in die mehr einfließt als das, was einem kreativen Genie unter der Dusche einfällt. Oder eben nicht einfällt.

Design Thinking: das ist nicht mehr als die Beschreibung dieses Gestaltungsprozesses, nur musste erst den Kollegen in den USA ein Begriff einfallen, den man nun als Beruf ausüben und vor allem: in Rechnung stellen kann.

Auch wenn immer mehr Tätigkeiten als Design bezeichnet werden und damit der Künstlervorwurf fast aus dem Spiel ist, müssen wir uns doch oft rechtfertigen, dass wir für eine Tätigkeit, die in den Augen vieler Auftraggeber mehr Spaß macht als Bilanzen lesen, am Ende sogar Geld haben wollen. Also brauchen wir immer noch – oder vielleicht mehr denn je? – einen Ratgeber wie Joachim Kobuss, der beide Seiten kennt und weiß, worauf Auftraggeber und Auftragnehmer achten sollten. Designer müssen auch Unternehmer sein und Dinge können, die man weder in der Schule noch an der Uni lernt. Als ich vor fast 50 Jahren anfing, mit Gestaltung meinen Lebensunterhalt zu verdienen, hätte ich für ein Buch wie dieses viel gegeben, sogar Geld.

© Prof. Dr. Erik Spiekermann · 2017


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